"I need a dollar" ist immer noch meine Sommersummnummer. Daran konnte auch der Auftritt von Herrn Blacc in der Poolbar nichts ändern. Schreibe ich über Soul, könnte ich genau so gut über Aquaristik schreiben, von Beidem hab ich nämlich keine Anhnung. Muss ich nicht, denke ich, Soul zielt nicht auf meinen Kopf sondern auf die Regionen südlich des Bauchnabels. Und da hab ich mir etwas mehr Nachdruck von der Bühne erwartet. Die ersten zwei Drittel des Konzerts sehnte ich mich nach dem ledernen Ohrensessel aus der Kaffeehauskette meiner Wahl und einem guten Buch, einer Pfeife und Pantoffeln. Nein so schlimm wars auch wieder nicht. Am Ende wurde schon noch Geschwindigkeit aufgenommen, und auch meine Hüften begannen zu zittern.
Nächste Station, Sommerblogbuster. Das ist nie verkehrt, man kalkuliert die Enttäuschung von vornherein mit ein und wird dann positiv überrascht. Das Feuilleton ging ja förmlich über mit Referenzynalysen. Für jemanden, dessen erste bewußte Erinnerung ans Kino "E.T." ist, mehr als verständlich. Aber "Super 8" ist viel mehr als eine Reminiszenz an das gute alte Kino der 70er. Der Film ist Unterhaltungskino der besten Art, keine sinnlose Materialschlacht, aber handwerklich perfekt ausgeführte Actionszenen. Vorbildlich der Zugcrash! Davor die schönsten Szenen des Films. Die Jugendlichen bereiten die große Abschiedsszene ihres Super 8 Zombiefilms vor. Romantik macht sich breit. Plötzlich kommt der Zug und Hektik bricht aus, danach das Inferno, großartig. Die Helden des Films sind symphatisch wie schon lange keine Jugendlichen mehr auf der Leinwand. Schauspielerisch sowieso eine Augenweide. Die Spannung steigt analog zum Mut der Jugendlichen, und mit einem Happyend, inden der Außerirdische nach Hause fliegt, und das Militär dumm aus der Wäsche schaut, kann ich auch gut leben. Insofern doch wieder eine Reminiszenz.
Letzten Sonntag kam der Tatort nach 9 Jahren mal wieder aus der Schweiz. Verstärkt mit einer CSI-Ermittlerin, die einen schauspielerischen Offenbarungseid leistete, ging es auf Entführerjagd. Nach 80 Minuten hanebüchener Handlung war doch die Ehefrau die Schuldige. Erwähnenswert nur die Anbahnung eines Beischlafs zwischen Kommissar und Austauschermittlerin. Das hat man in Softpornos der 70er nicht weiter an den Haaren herbeigezogen. Der Akt selbst fiel der Schere der Kulturchefin des Schweizer Fernsehens zum Opfer. In Anbetracht der schauspielerischen Leistung von Frau Milos, dafür ein herzliches Dankeschön. Potential nach oben ist vorhanden.
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