Freitag, 9. Juli 2010

Der Stein im Weg


Eine schöne Idee, dachte ich mir, als ich davon hörte, dass der chinesische Künstler Ai Weiwei einen Felsbrocken aus China bei uns am Dachstein aufstellen will. Ein Bild der Menschheit - fähig, einen tonnenschweren Stein von China um die halbe Welt zu transportieren, um ihn auf einen Haufen anderer Steine zu legen. Beinahe unbemerkt, ab und zu von einem Bergsteiger beachtet, der darüber ins Grübeln gerät. Das hätte mir gefallen.

Der Felsbrocken löste sich 2008 bei einem Erdbeben in der Provinz Sichuan, dienen soll er jetzt als Mahnmal für die 9000 damals verstorbener Kinder. Ein Anlass, der zum Nachdenken herausfordert, an einer Stelle an der man nicht damit gerechnet hat. Das hätte mir gefallen.

Dem Alpenverein gefällt das ganze weniger, er vergleicht die Aktion mit Schwachsinnigkeiten, wie die Vergoldung des Großglockners und macht mobil. Der Alpenverein pocht auf sein "Verschandlungsmonopol" (http://almblitz.twoday.net/stories/6415080/) und will den Transport zum Gipfel verhindern. Der Stein könnte auch am Fuß des Dachsteins als Mahnmal dienen, allerdings für etwas ganz was anderes. Im Winter wird der Stein, egal wo er liegt, von Schnee bedeckt sein und aus den Bergen wird wieder DJ Ötzi plärren, spätestens dann ist die Welt wieder in Ordnung.

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