Montag, 9. November 2009

Sprache schafft Realität

Ohne die genauen Zahlen zu kennen - rein meine persönlichen Eindrucke am Brunnenmarkt letzten Samstag veranlassen mich zu der Annahme, Migranten sind ganz normale Menschen, weder besonders fundementalistisch noch besonders aggressiv. Medien und Politik sagen uns was anderes. Floskeln wie Kriminalität, Missbrauch und Schmarotzer bestimmen den Diskurs. Hannes Svoboda sagte folgendes Bemerkenswertes im Profil: "Solange die Politik nicht begreift, dass man Dinge, die zu achtzig Prozent positiv sind, auch positiv darstellen muss, wird es nicht gelingen die Leute zu überzeugen. Statt über gefallene Grenzen und Reisefreiheit redet man nur über grenzüberschreitende Kriminalität. Die Mutlosigkeit in der Politik erzeugt dieses Resultat bei den Menschen." Kein Blatt vor dem Mund nimmt sich wie immer auch Fekter: "Wir müssen die Gemäßigten stärken, damit wir die Fundamentalisten, die im Vormarsch sind, im Zaum halten und aus Österreich eliminieren." Eliminieren ist ein Wort, das in diesem Diskurs nichts verloren hat. Wenn man als Regierungspartei weiterhin vor hat, der FPÖ nach dem Mund zu reden, wäre es ehrlicher gleich eine Beitrittserklärung auszufüllen.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Filmtipp für Frau Fekter

Nina Kusturica begleitet sechs junge AsylwerberInnen über zwei Jahre mit der Kamera. Sie begleitet Jugendliche aus Somalia und Afganistan, die ihre Winterjacken nicht bei H&M kaufen, sondern sich diese bei der Caritas aussuchen. Die vom Staat mit 40 Euro Taschengeld pro Monat ausgestattet werden und die die Zeit bis zum Asylbescheid zur Untätigkeit gezwungen werden. Eines der portraitierten Mädchen wurde in Somalia in den Kopf geschossen. Kusturica filmt auch am Rand der Festung Europa, wo Zäune und Wärmebildkameras die Grenzen schützen, wo Jugendliche auf eine Chance warten Europa zu erreichen. Sie erzählt von Brutalitäten der griechischen Fremdenpolizei und vom kalten Bürokratismus der Amtsstuben. Aber vor allem erzählt sie von Jugendlichen, deren Alltag wenig freudvolles zu bieten hat. Der Film verurteilt nicht, er bildet nur ab - genau darin liegt seine Kraft und seine Stärke.
Ich sah den Film am Nationalfeiertag, am Tag an dem man Stolz ist auf die Nation. An dem Tag an dem sich am Heldenplatz das Bundesheer präsentiert und sich Politiker in Huldigungen auf Österreich überschlagen. Vielleicht hätte man "Little Alien" am Heldenplatz zeigen sollen, der Nation vorführen, die bei Asyl in erster Linie an Mißbrauch denkt.

Dienstag, 20. Oktober 2009

George Clooney ist ein schlechter Verlierer

Gestern verbrachte ich die Nacht mit George Clooney im Cafe Weidinger beim Carambolespielen. Wir einigten uns darauf, dass George der erste Stoß zustünde. Er stieß. Aber uns war entgangen, dass der Tisch keine Banden hatte. Mit einem Stoß fegte George zwei Kugeln vom Tisch, die dritte traf er nicht - also kein Punkt. Erzürnt warf George mir den Queue zu und ferließ das Lokal. Im selben Moment tauchte Heinz Fischer auf und ging zur Schifertafel auf der George und ich den Spielstand notiert hätten, wenn es zu einem Spiel gekommen wäre. Heinz Fischer erklärte mir mit einem Queue in der Hand, der Billiardtisch sei kaputt. Er könne aber veranlassen, dass die Voest Alpine den Tisch repariert. Das würde bis 2011 dauern.
Schön wer solche Träume hat!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Das weiße Band

Immer wenn etwas passiert in Eichwald sind sie in der Nähe, diese Kinder die niemals lachen. Hineingeboren in eine Zeit, in der die Stimme des Patriarchen Gesetz ist und dessen Einhaltung durch grausame Züchtigung gewährleistet wird. Haneke: „Ich wollte zeigen, dass überall dort, wo Leid, Unterdrückung, Demütigung und Verzweiflung herrschen, ein Boden für die Empfänglichkeit von jeder Art von Ideologie bereitet wird.“ Ein Boden der von den norddeutschen Bauern nur zu gut aufbereitet wurde. Das Aufbegehren der Kinder, auf das man im Film vergeblich wartet findet nie statt. Soldatisch stecken Sie die grausamsten Quälereien ein, die sie später im größten Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts wieder ausleben. Eichwald ist der Ort an dem die Saat für Eichmann und Buchenwald gepflanzt wurde. Nicht von grausamen Sadisten, sondern von gläubigen Pastoren, ehrenwerten Ärzten, angesehenen Gutsbesitzern und fleißigen Bauern. Keiner von Ihnen würde erkennen, dass er etwas falsch gemacht hat, sie bewegten sich in einem immer noch funktionierenden System, dessen Ende ein zerstörtes Europa hinterließ.

Es wäre aber falsch, „Das weiße Band“ als rein historischen Stoff zu betrachten – Haneke hat ein zeitloses Werk geschaffen. Ein gewaltiges Stück Kino!



Dienstag, 6. Oktober 2009

frei nach Max Goldt

nie scheint er gern da zu sein, wo er gerade ist.

Mittwoch, 24. Juni 2009

um seine Liebe zu retten...

... ist Jack Shaftoe unterwegs nach London um die Münze im Tower auszurauben. Auch der zweite Band von Neil Stephensons Barocktrilogie endet damit, dass sich unser Held auf einem Schiff einer ungewissen Zukunft gegenüber sieht. Zwar nicht mehr an ein Ruder gekettet, aber immer noch weit entfernt von einem sicheren Hafen. Jack hat in "Confusion" mehrere Vermögen gemacht und wieder verloren, war König in Asien, mußte mitansehen wie sein Erzfeind seine große Liebe mißbrauchte und wie dieser schließlich von seinem Freund erschossen wurde. Er hat die Syphilis überwunden nur um nun vom Sonnenkönig erpresst zu werden. Kurzum - das Abenteuer geht weiter und Band Drei ist im Einkaufswagen.

Mittwoch, 3. Juni 2009

Arme EU

Nach Ebola, Sars und Vogelgrippe hab ich auch die Schweinegrippe überlebt. Aber wie sagte schon Peter Turini "die Welt stirbt nicht wegen der Ozonlöcher sondern wegen der Arschlöcher". Apropos! Bald ist Wahl zum Europaparlament. Zu diesem Anlass traf sich die Elefantenrunde im ORF. Neben den Obskuranten vom rechten Rand gelang es besonders Ernst Strasser, sich lächerlich zu machen. Wieso die ÖVP ihre Europakompetenz dermaßen auf den Misthaufen wirft kann ich mir nicht erklären. Warum muss ich nur immer an Kronenzeitungleserbriefschreiber denken, wenn Strasser davon spricht die Sorgen der Bürger nach Brüssel zu tragen. Außer Ulrike Lunacek gab es da nur Anwälte Österreichs die im bösen Brüssel unsere Interessen vertreten. Langweilig! Provinzpolitiker im Kleinformat!